Das OLG Hamm hat entschieden, dass eine Patientin 90.000 Euro Schmerzensgeld beanspruchen kann, weil ein Dünndarmverschluss zu spät erkannt und behandelt wurde und ihre Gesundheit aufgrund dieses groben Behandlungsfehlers lebenslang erheblich beeinträchtigt ist.
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90.000 Euro Schmerzensgeld für Dünndarmverschluss

Urteil OLG Hamm vom 21.11.2014 - AZ 26 U 80/13 -

Die Klägerin begab sich  wenige Tage nach einer Mitte Dezember 2008 plötzlich aufgetretenen Übelkeit in die stationäre Behandlung des beklagten Krankenhauses  und wurde im Fachbereich des mitverklagten Facharztes aufgenommen. Ende des Jahres musste sie im Klinikum notfallmäßig operiert werden, weil sich ihr Gesundheitszustand drastisch verschlechtert hatte. Dabei stellte die Ärzte einen ausgeprägten Verschluss des Dünndarms (lat. Intestinum tenue) fest, der bereits zum teilweisen Absterben eines Darmteils sowie zu einer Perforation des Darms geführt hatte.

Die Klägerin ist der Auffassung, dass der Darmverschluss zu spät erkannt und behandelt worden sei (Behandlungsverzögerung). Deswegen leide sie heute u.a. an einem Kurzdarmsyndrom sowie einer Osteoporose mit Wirbelbrüchen und an einer sog. reaktiven Depression. Sie sei nicht arbeitsfähig, habe über 10 kg an Körpergewicht und mehrere cm an Körpergröße verloren. Von den Beklagten hat die Klägerin Schadensersatz verlangt.  Unter anderem forderte sie ein Schmerzensgeld in Höhe von 125.000 Euro.

Das Schadensersatzbegehren der Klägerin war zum Teil erfolgreich. Das OLG Hamm hat nach der Anhörung eines medizinischen Sachverständigen 90.000 Euro Schmerzensgeld für angemessen erachtet. Vor der Notoperation seien notwendige diagnostische sowie therapeutische Maßnahmen grob behandlungsfehlerhaft unterlassen worden. Aufgrund anhaltender Beschwerden und noch nicht ermittelter Ursachen hätte der in Betracht kommende Verschluss des Dünndarms frühzeitig abgeklärt werden müssen.  Dies sei jedoch  unterblieben.

Durch eine frühzeitigere chirurgische Behandlung des Darmverschlusses sei mit hoher Wahrscheinlichkeit das Absterben des Darmteils und die Perforation zu verhindern gewesen. Davon sei nach dem Gutachten des Sachverständigen unter Berücksichtigung der sich aus dem groben Behandlungsfehler ergebenden Beweislastumkehr auszugehen. Die Klägerin leide an einem Kurzdarmsyndrom, so dass ihr Dünndarm Fette und fettlösliche Substanzen nicht mehr richtig aufnehmen könne. Auch diese Folge der Darmverkürzung sei der grob fehlerhaften Behandlung zuzurechnen. Für sie hafteten die Beklagten in vollem Umfang, auch wenn weitere, vom Behandlungsfehler unabhängiger Ursachen denkbar sein. Eine Mitursächlichkeit des Behandlungsfehlers begründe die Haftung für den gesamten Schaden, wenn  ein auf diese Ursache zurückzuführender abgrenzbarer Teil des Schadens nicht zu bestimmen sei. Weitere Schadensfolgen seien zudem die Osteoporose mit den Wirbelbrüchen und auch die von der Klägerin erlittene reaktive Depression.

Die von der Klägerin als Folge des Behandlungsfehlers erlittenen erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die zum Teil lebenslang fortbestünden und auch ihre Arbeitsunfähigkeit begründet hätten, rechtfertigten ein Schmerzensgeld in Höhe von 90.000 Euro.

 
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