Der andere Start ins Leben.

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Geburtsschaden – Schicksalsschlag beim Start ins Leben

Trotz hochmoderner Technik in den deutschen Kliniken steigt die Anzahl der Neugeborenen, die mit Geburtsschäden zur Welt kommen.

Dabei können in jedem Abschnitt der Schwangerschaft Fehler gemacht werden, von den Voruntersuchungen über die Geburtseinleitung bis zum Abschluss des Geburtsvorganges selbst.

 

Zu den häufigsten Fehlern gehören:

  • mangelnde Aufklärung
  • unterlassene Voruntersuchungen
  • falsche Abwägung der Risiken zwischen einer natürlichen Geburt und einem Kaiserschnitt
  • verspätete Geburtseinleitung
  • verspätete Einleitung einer Schnittentbindung

 

Die Folgen sind oft sehr schwerwiegend. So kann eine Sauerstoffunterversorgung des Kindes zu schweren Hirnschädigungen führen, die erhebliche Dauerschäden in Form einer körperlichen und geistigen Behinderung nach sich ziehen.

 

Ist ein solcher Geburtsschaden eingetreten, können die Eltern für ihr Kind vor Gericht auftreten und dessen Schaden gegenüber den Kliniken und Ärzten geltend machen.

Im Verfahren müssen die Eltern dann beweisen dass die Schäden durch fehlerhaftes Verhalten der Hebammen oder Ärzte verursacht wurden. Dies ist oft sehr schwierig und kann meist nur durch Einholung eines oder mehrerer Sachverständigengutachten erreicht werden. Dies führt oft dazu, dass sich das Verfahren über einen langen Zeitraum erstreckt.

Kann aufgrund des Geburtsverlaufs und der Zustandsbeschreibung des Neugeborenen ein zeitlicher Zusammenhang zur Geburt hergestellt werden der auf einen ärztlichen Fehler schließen lässt, dann stellt sich die Frage nach dessen Vermeidbarkeit.
Vermeidbar ist ein Geburtsschaden immer dann, wenn auf reaktionspflichtige Befunde seitens des Arztes oder der Hebamme nicht oder zu spät reagiert wird.

 

Nachdem ein Behandlungsfehler tatsächlich festgestellt wurde, muss auch die Kausalität dieses Behandlungsfehlers in Bezug auf den eingetretenen Schaden durch die Eltern bewiesen werden. Oft stellt sich dann die schwierige Frage, ob eine vorverlagerte Geburtseinleitung oder Sectio tatsächlich den Schaden vermieden hätte oder ob dieser vielleicht in einem geringeren Ausmaß aufgetreten wäre. Dies stellt sich in der Praxis als sehr großes Beweisproblem dar.

 

Daher stärkt die Rechtsprechung in einigen Fällen die Rechte der Patienten durch eine sogenannte Beweislastumkehr, d.h. das  medizinische Personal steht dann in der Nachweispflicht, dass der Schaden auch bei rechtmäßigem Verhalten in dieser Form eingetreten wäre. Das ist z.B. bei einem groben Behandlungsfehler der Fall oder wenn notwendige Befunde gar nicht erst erhoben wurden.

 

Gelingt der Nachweis eines Behandlungsfehlers und dessen Kausalität für den eingetretenen Schaden, steht dem Geschädigten ein Anspruch auf Schmerzensgeld zu. Dadurch sollen die körperlichen und seelischen Schmerzen, der Verlust an Lebensqualität und –freude und im Falle der Geburtsschäden auch oft die Zerstörung der individuellen Persönlichkeit durch Hirnschädigungen ausgeglichen werden. Da der immaterielle Schaden nicht durch mathematische Berechnung bestimmt werden kann, muss der Richter die Höhe des Schadens anhand von allgemeinen Kriterien und den im Einzelfall vorliegenden Umständen ermitteln. Verschiedene Bemessungsfaktoren (beispielsweise Alter des Geschädigten, Dauer und Intensität der Leiden, Folge- und Dauerschäden) dienen dem Richter dabei als Leitlinie, sind aber nicht abschließend zu verstehen, da immer die individuellen Begebenheiten des Falles Berücksichtigung finden müssen. Die Schmerzensgeldsummen können insbesondere im Bereich der Geburtsschäden aufgrund der einschneidenden und massiven Folgen für das Leben des Kindes und seiner Familie durchaus im 6stelligen Bereich liegen.

 

Dies gilt auch für die Ansprüche auf eine Schmerzensgeldrente. Diese wird üblicherweise nur unter engen Voraussetzungen zugesprochen. Insbesondere müssen besondere Umstände vorliegen, die eine einmalige Abfindungszahlung zur Schadensregulierung nicht ausreichend erscheinen lassen. Dies kann z.B. bei einem erheblichen Dauerschaden der Fall sein oder wenn das ganze Ausmaß des individuellen Schadens aufgrund seiner fortdauernden Entwicklung noch nicht abschließend feststellbar ist.

 

Eine wichtige Entscheidung traf das OLG Hamm im Jahr 2004. Dabei stellte es fest, dass die Zubilligung eines Schmerzensgeldes nicht dadurch ausgeschlossen sei, dass die Wahrnehmung und Empfindung der Leiden als solche gestört ist. Hier rechtfertige die vollständige Zerstörung der individuellen Persönlichkeit des Säuglings durch einen schweren Hirnschaden eine angemessene und billige Entschädigung.

 

Hinzu kommen sämtliche materiellen Schadensersatzansprüche die durch Behandlungen, Therapien, Medikamente, medizinische Hilfsmittel, dem Umbau eine behindertengerechten Wohnung etc. entstehen.

 

Auch der Erwerbsschaden kann in solchen Fällen geltend gemacht werden. Dabei spielt es keine Rolle, dass man nie genau wissen kann, welchen beruflichen Werdegang das Kind tatsächlich eingeschlagen hätte. Der BGH hat dazu ausgeführt, es dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass es in der Verantwortlichkeit des Schädigers liege, wenn die berufliche Entwicklung des Geschädigten beeinträchtigt worden sei und darauf erst die besondere Schwierigkeit folgt, eine Prognose über die hypothetische Entwicklung anzustellen. Zur Beurteilung des hypothetischen Berufsweges des geschädigten Kindes werden daher der Beruf, die Vor- und Weiterbildung der Eltern, ihre Qualifikation, die beruflichen Pläne für das Kind und sogar die schulische und berufliche Entwicklung der Geschwister herangezogen. Je ausführlicher hierzu vorgetragen wird, um so eher ist es dem Gericht möglich, einen konkreten Berufsweg zur Grundlage der Schadensberechnung anzusetzen.

 

Um eine Verjährung der Ansprüche zu verhindern und eine lebenslange Versorgung des geschädigten Kindes zu gewährleisten ist eine kompetente juristische Unterstützung unbedingt erforderlich.

 

 
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